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Bericht einer Delegation am 28. August 2011 zu einer Flüchtlingsunterkunft in Velbert

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Der äußere Eindruck der Häuser hat sich seit der ersten Delegation vom 7. Mai letzten Jahres [1, 2] nicht geändert. Zahllose Bretter sind an den Außenwänden herausgebrochen, die Dämmstoffe liegen offen oder sind gar nicht mehr vorhanden. Alles in allem ein heruntergekommener Eindruck. Schon vor ca. 16 Monaten hatten nach einem Besuch der Presse und des Integrationsrats VertreterInnen der Stadt Velbert beteuert, dass „verwaltungsintern (…) mit Hochdruck gearbeitet“ werde, um die Wohnsituation dort zu verbessern [3].

Der Sozialausschuss der Stadt wird ganz offensichtlich belogen, denn passiert ist seither praktisch gar nichts. Die Duschen im Keller wurden einmal neu gestrichen – die Wände sind aber nach wie vor feucht und schimmeln bzw. setzen Moos an. Außerdem wurden in einem der vier Gebäude die Zimmer des Erdgeschosses gestrichen. Die Duschen haben weiterhin keine Türen, so dass jederzeit andere Personen eintreten können. Ein Loch zur Straße ist notdürftig mit einem Plastikmülleimer verdeckt.
Ansonsten stimmt die Behauptung der Stadtverwaltung, dass die hinteren Häuser derzeit renoviert würden, ganz offensichtlich nicht. Kinder zeigen uns die Häuser, die mit Brettern verrammelt sind, aber nicht so aussehen, als seien sie in den letzten Wochen oder Monaten von Handwerkern betreten worden. Die Bewohner des Heimes haben auch niemanden gesehen.

An einer Stelle ist wohl eine Leitung zum Gebäude repariert und ein Loch verfüllt worden, erzählen uns die Kinder. Von Renovierung mit Hochdruck ist jedoch offensichtlich nichts zu merken.
Wir treffen uns mit ungefähr zwanzig Erwachsenen und etwa sieben Kindern.

Die Leute berichten übereinstimmend von dem schlechten baulichen Zustand. Vor allem die Duschen im Keller sind ein Ärgernis.

Vor einigen Wochen ist ein loses Fenster einem Säugling auf den Kopf gefallen, dem glücklicherweise nicht Schlimmes dabei passiert ist. Das Fenster ist bislang nicht repariert, die Scheibe fehlt.
Die Kinder erzählen sehr ausführlich von den Problemen, die sie in dem Heim sehen. Obwohl ihr Zusammenhalt in dem Heim sehr gut ist, leiden sie unter den Bedingungen. Es ist ihnen peinlich gegenüber FreundInnen und Verwandten, weil diese den heruntergekommenen Zustand des Gebäudes kommentieren „Hier könnte ich niemals leben!“, „das ist ja wie bei den Pennern“. Wenn Fremde vorbeigehen oder vorbeifahren, fühlen sie sich angestarrt.

Sie haben auch zu wenig Platz: Bei den Familien ist es in mehreren Fällen so, dass leer stehende Räume in Wohneinheiten abgeschlossen sind. In einem Fall teilen 7 Personen (Eltern und fünf Kinder) drei Räume, während mehrere Nebenzimmer verschlossen sind. In einem anderen Fall teilen 6 Frauen mit 3 Kindern eine Küche.

Gefährlich ist auch, dass manche Leute ansteckende Krankheiten haben (wie Hepatitis C) und sich schämen bzw. selber Angst haben, dass ihre MitbewohnerInnen, mit denen sie engstens zusammen wohnen müssen, sich infizieren könnten.

Wegen der Nutzung der Küche, der Waschmaschinen (es gibt zu wenige und nicht jede Etage verfügt über eine) und auch wegen der Lautstärke und räumlichen Enge kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den BewohnerInnen, die sich untereinander aufgrund der Sprachbarrieren oft nicht verständigen können.
Die Kinder sagen, dass es ihnen Angst macht, dass Fremde(auch nachts) ins Haus eindringen und Dinge kaputt machen, weil die Haustüren nicht verschlossen sind. Es gehen immer wieder Dinge kaputt. Außerdem kommt es öfter vor, dass Wohnungslose abends in den Häusern nach einem Platz für die Nacht suchen.

Die Kinder sind auch genervt von dem Rauch in den Räumen und den Zigarettenkippen. Deshalb haben sie unseren Besuch genutzt, um ein Schuld zu basteln. „Bitte keine Kippen in den Hausflur schmeißen. Wir hoffen ihr haltet euch an die Regel!“

Für einige Flüchtlinge, - gerade die, die noch nicht lange da sind -, ist das Heim im Augenblick weniger ein Thema als die Angst vor Abschiebung oder der Wunsch, die Sprache zu lernen. Manche andere haben resigniert und glauben nicht daran, dass sich etwas ändert. Zulange schon werden leere Versprechen gemacht. Wieder andere wollen eigentlich gerne eine Schließung des Heims, trauen sich aber nicht, mit uns zu sprechen.

Unterwegs Richtung Wuppertal wurde uns wieder wie bei unserem ersten Besuch in April 2010 vor dem ersten öffentlichen Delegationsbesuch, dass eigentlich niemand in solche Gebäude leben darf. Heime wie dieses in Velbert, die alleine der Isolation und der Stigmatisierung der Flüchtlinge dienen, dürfen nicht existieren. Eine Frau aus dem Heim sagte im Nachgang: „Es fällt mir schwer tagtäglich hier zu leben! Ich kann es nicht mehr lange aushalten!“ Zu der Zwangsunterbringung in dem Heim gesellen sich die Schikanen und Einschüchterungen der Behörden. Durch Kürzungen der Sozialleistungen und Abschiebeandrohungen werden die Flüchtlinge zermürbt und psychisch unter Druck gesetzt.

Auf dem Heimweg war uns klar: Wir werden gemeinsam mit Flüchtlingen aus Velbert und allen anderen Freundinnen und Freunde die Situation der Flüchtlinge in Velbert aufmerksam verfolgen und die Öffentlichkeit über die Zustände informieren. Gemeinsam mit der Flüchtlingscommunity aus Velbert wollen wir die Schließung des Lagers herbeiführen. Menschenrechte müssen zuallererst in unsere Nachbarschaft verteidigt werden.

Quellen
[1] http://thecaravan.org/node/2417
[2] http://thecaravan.org/node/2425
[3] http://www.derwesten.de/staedte/velbert/Katastrophaler-Zustand-id2951967...

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