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Zu wie vielen Verbrechen schweigen wir noch? Aktueller Bericht aus Remscheid

Remscheider Flüchtlinge fordern weiterhin
die Schließung der Gemeinschaftsunterkünfte

Zurzeit befinden sich zwei Flüchtlinge aus Remscheid in Kliniken, ein weiterer sitzt seit letzter Woche im Abschiebegefängnis Büren, ein anderer soll morgen in Frankfurt für die Verweigerung seiner Abschiebung bestraft werden. Wir rufen zur verstärkten Beobachtung der Entwicklungen in der Stadt Remscheid auf und dokumentieren hier im Anschluss die bisherigen Verletzungen unserer Würde und ihre Folgen.

  • kurzer Abriss der Erfahrungen aus Remscheid
  • Bericht über Herrn Mohammad Ahmad Said
  • Bericht über Herrn Said aus Afghanistan
  • Bericht Herrn Dshambulat Ruslanowitsch Koshajew
  • Bericht über Herrn Al Choli

Seit unserer ersten Begegnung in Sommer 2005 mit den Flüchtlingen in Remscheid haben wir oft darüber berichtet, welche Formen die Ausgrenzung und Zerstörung von Menschenleben, die Erniedrigung und die Entwürdigung konkret annimmt.

Wir haben über die Repressionen in den Flüchtlingsunterkünften berichtet, über Anwesenheitskontrollen, Zimmerdurchsuchungen, Beleidigungen.

Wir haben über den eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung berichtet. Wir haben über den Tod von Mohammad Sillah (oder Selah) geschrieben und werden jedes Jahr anlässlich seines Todes am 14. Januar mit ihm in unserem Herzen in der Stadt Remscheid durch unsere Anwesenheit die Mörder anklagen. Mohammad Sillah musste sterben, weil der damalige Mitarbeiter des Sozialamtes es nicht für notwendig befand, ihm einen Krankenschein auszustellen: „Du wirst sowieso abgeschoben, du brauchst keinen Krankenschein!“ Diese Worte, erzählte der Musiker aus Guinea Mohammad Sillah seinen Nachbarn im damaligen Flüchtlingsheim Bergfriederweg, wurden ihm im Sozialamt gesagt, als er nach einem Krankenschein fragte (siehe Bemerkung am Ende dieser Seite *).

Wir haben in Remscheid miterlebt, wie unsere Freunde frühmorgens von 300 Polizeibeamten eingeschüchtert wurden. Der Staatsanwalt Alfons Grevener ließ sein Unterdrückungsapparat vergeblich nach „Drogenbunkern“ suchen (Bericht lokale Presse)und als er der Presse nichts präsentieren konnte, ließ er einfach zwei Flüchtlinge mit Waffen an den Schläfen aus dem Heim ins Revier schleppen. 2 Illegale seien gefasst. Diese zwei Männer waren im Heim registriert und das wussten die Beamten auch, sie ließen sie nach zwei Stunden frei. Im Nachhinein wurde der Polizeieinsatz vom den Gerichten als rechtswidrig eingestuft. Zurückbleiben jedoch die Artikel in den Zeitungen von dem Drogenumschlagsplatz in dem Flüchtlingsunterkunft und zurück bleiben die Narben der Freunde, die diesen Einsatz miterlebten. Zurück bleiben die unsichtbaren Narben der Erniedrigung und der Angst. „Wo ist Bin Laden?“ wurde der afghanische Flüchtling Herr Said H. gefragt, der seit der Jahrtausendwende in Deutschland ist. Einem chinesischen Freund, der aus dem Schlaf geweckt worden war und der sich nicht anziehen durfte, wurde die Pistole an den Kopf gedrückt: „Warum gehst du nicht in deine Heimat zurück?“ Wie viele schlaflose Nächte mussten die Flüchtlinge erleiden, die nicht nur diesen einzigen Polizeieinsatz miterlebt haben, sondern über Jahre mit ansehen mussten, wie ihre Nachbarn abgeholt und abgeschoben wurden?

Flüchtlinge beklagen Schikanen
WDR Regional: Rund 300 Beamte waren im Einsatz, als am 24. Oktober 2007 ein Asylbewerberheim in Remscheid durchsucht wurde. Doch der Verdacht auf Drogenhandel bestätigte sich nicht. Die Heimbewohner fühlen sich an den Pranger gestellt.
WDR Audio File.

Mohammad Sillah ist Tod. Ofelya Stepanyan abgeschoben, Sarah abegschoben. Der junge Sohn einer Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien ebenfalls. Die Eltern sind noch hier und das Lachen auf ihrem Gesicht ist eine zwanghafte, resignierte.

Herr Mohammad Ahmad Said ein Flüchtling aus dem Horn von Afrika war über 10 Jahre lang auf der Suche nach einem sicheren Leben. Mittlerweile hat er schon geistig abgeschaltet. Ihm wurde eine gesetzliche Betreuung zugewiesen. Der Amtsrichter Herr Künzel, der Sozialarbeiter der BAF Herr Göckel und Frau Dr. Michel seine Betreuerin wissen nach jahrelangem Umgang mit ihm immer noch nicht, welche Sprache er spricht?!? Vergangene Woche, im Mai 2010 versagten seine Nieren hier in Remscheid Lennep in Mitteleuropa. Er liegt zurzeit im Krankenhaus.

Der oben erwähnte afghanische Flüchtling Herr Said liegt seit Wochen in einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Er konnte nicht mehr schlafen, sondern nur noch weinen. Seit über 10 Jahren ist sein Leben reduziert auf ein Zimmer. Wohnhaft bedeutet für ihn in Haft sein. Die besten Jahre seines Lebens musste er als Flüchtling in einem Heim verbringen, obwohl er voller Kraft steckte. Das Land in dem er geboren wurde, befand sich im Krieg und befindet sich immer noch im Krieg. Von äußeren Militärmächten besetzt für die Sicherung der Transportwege und der Rohstoffe sterben tagtäglich die Menschen dort und die Scharia wurde unter der fremden Besatzung und ihrer Regierung eingeführt. Herr Said droht trotzdem nach jahrelangem Aufenthalt hier in Remscheid die Abschiebung in einem Land, in dem der Krieg Alltag ist und kein Leben sicher ist. Als wir Herrn Said das erste Mal kennenlernten, lachte er beherzt und scherzte, doch nun sind die Hoffnungen gestorben und die Kontakte zur Familie gebrochen. In der Klinik kann er wenigstens schlafen, sagte er seinen Freunden.

Herr Dshambulat Ruslanowitsch Koshajew (siehe Bericht auf lokale Internetseite) lebt ebenfalls seit Jahren in Remscheid in einem der Flüchtlingsheime. Der 33-jährige Flüchtling befindet sich letzter Woche Mittwoch, den 9. Juni 2010, im Bürener Abschiebegefängnis. Er wollte nicht an dem Krieg in Tschetschenien teilnehmen. Er verweigerte den Militärdienst in der russischen Armee. In Remscheid, war er wie viele andere Flüchtlinge von den Repressionen betroffen. Er setzte sich Anfang 2009 mit anderen Flüchtlingen dafür ein, dass sich die Lebenssituation vor Ort verbessere. Er hat einen schweren Autounfall gehabt und trägt immer noch Beschwerden. Die Ausländerbehörde Remscheid, die ihn möglichst schnell abschieben will, will nichts von seiner Krankheit wissen. Krank oder gesund, soll er nach Russland abgeschoben werden, wo ihn Militärdienst oder die Strafe für die Verweigerung des Militärdienstes erwartet. Seine Freundinnen und Freunde setzen sich in Remscheid für seine Freilassung ein (Bericht auf Watterbölles).

Flüchtlinge klagen über Schikanen
WDR Reportage im Cosmo-TV
Artikel:
http://www.wdr.de/themen/politik/nrw04/remscheid_wohnheime/index.jhtml
Fernsehbeitrag: http://www.youtube.com/watch?v=ASr3l5_UbUI

Am morgigen 17. Juni 2010 soll Herr Al Choli bestraft werden, weil er sich geweigert hat, in dem Land abgeschoben zu werden, welches er vor über 17 Jahre verlassen hat. Das eingeschränkte Leben im Flüchtlingsheim hat ihn mitgenommen. Trotz der Krankheiten hat sich Herr Al Choli stets für das Leben seiner Mitmenschen eingesetzt und alles dafür getan, damit die Zustände in den Remscheider Flüchtlingsheime in die Öffentlichkeit dringen. Er kümmerte sich um Herr Mohammad Ahmad Said der unter gesetzlicher Betreuung steht. Er besorgte für ihn die Einkäufe und räumte sein Zimmer auf. Das ist praktische Solidarität in einem Isolationslager. Herr Al Choli ist als gesunder Mensch nach Deutschland gekommen. Doch der permanente Stress und die ständige Angst vor der unsicheren Zukunft unter der Drohung der Abschiebung haben bei ihm wie bei vielen anderen Flüchtlingen zu Diabetes geführt. Trotz der Krankheit hat Herr Al Choli oft über die Verletzung seiner Würde gesprochen und dadurch seine Würde erlangt. Morgen ist sein Prozess in Frankfurt am Main. Wir rufen zur Prozessbeobachtung auf.

Wir rufen jeden und jede auf, nach seinen oder ihren Fähigkeiten die Ereignisse in der Stadt Remscheid zu verfolgen, zu dokumentieren und zu verbreiten. Schreibt an die Oberbürgermeisterin der Stadt Remscheid Frau Beate Wilding, die verantwortlich ist für die lokale Flüchtlingspolitik in der Stadt Remscheid.

Die Abschiebung von Herrn Djambulat Ruslanowitsch Koshajew steht vor der Tür. Was mit den anderen in Kliniken befindlichen Freunden passiert steht noch offen. Wir werden aufmerksam die Entwicklungen in Remscheid verfolgen und weiterhin die Namen derer benennen, die verantwortlich sind für den gesundheitlichen Zustand der Freunde und Freundinnen.

Wir rufen zur verstärkten Solidarität mit den Flüchtlingskämpfen auf, in Remscheid, in Möhlau oder sonstwo.

Solidarität ist unsere Lösung für eine Welt, in der Isolation regiert!

In Gedenken an all die Opfer der Herrschaft der Menschen über Menschen…
In Gedenken an die toten Opfer der Festung Europa
In Gedenken an Mohammad Sillah, Oury Jalloh, Aamir Ageeb, Ndeye Mareame Sarr und alle anderen toten Opfer der Flüchtlingspolitik hier in Deutschland…
bleiben wir den Spuren der Abschieber und Täter.

Wuppertal, 16.6.2010

# # # # # # # # # # #

* Die Stadt Remscheid bezweifelt den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung und hat uns mit Klage gedroht. Bei dem Gespräch zwischen Mohamed Sillah und dem Sachbearbeiter der Stadt Remscheid war unseres Wissens keine weitere Person anwesend. Allerdings gibt es Zeugen, denen Mohammed Sillah unmittelbar nach seinem Besuch bei der Stadt Remscheid diese Äußerung weitergegeben hat. Wir sehen keine Veranlassung, daran zu zweifeln, teilen aber der guten Ordnung halber mit, dass die Stadt Remscheid bestreitet, dass es eine solche Äußerung gegeben habe.

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