Wir sind Menschen, wir wollen leben. Wir wollen nicht wieder in Gefängnisse. Wir wollen frei sein!
Ein Erklärung von Flüchtlingen aus Togo
Wir fordern für alle togolesischen Asylsuchenden in Deutschland einen generellen Abschiebestop, bis in unserem Land endlich demokratische Wahlen stattfinden und eine Regierung unser Land führt, welche die Menschenrechte garantiert und eine demokratische Entwicklung in unserem Land ermöglicht.
Wir mussten unser Land vor mehreren Jahren verlassen, als es noch unter der Diktatur des Präsidenten Eyadema litt. Jeder, der ihm entgegenstand, egal ob er politisch organisiert oder nur als einfacher Mensch die Diktatur nicht mehr ertragen konnte, wurde verfolgt, geschlagen, verhaftet und viele wurden getötet. Wir, die wir illegal mit Hilfe von Freunden unser Land verlassen mussten, kamen nach Deutschland, da wir hofften, hier Asyl zu finden. In den zwei Jahren oder länger, die wir in Deutschland sind, mussten wir hilflos miterleben, wie nach dem Tod des Präsidenten Eyadema nun dessen Sohn durch einen Putsch an die Macht gehievt wurde. Auf internationalen Druck hin musste er aber zurücktreten und Wahlen ausrufen. International wurde die Rechtmäßigkeit dieser Wahlen angezweifelt und man spricht von Wahlmanipulationen. Damit war die Situation nach der Wahl die gleiche wie vor der Wahl. Im April und Mai 2005 nahmen die Repressionen gegenüber der Zivilbevölkerung und die Gewaltausschreitungen dramatisch zu. Wir möchten auf den Überfall des Goethe-Institutes hinweisen.
Besorgniserregend für uns ist, dass bisher ca. 31.000 Landsleute unter der neuen Diktatur das Land in Richtung Ghana und Benin verlassen haben. Das Auswärtige Amt veröffentlichte, dass Deutschland ca. 300.000 EUR für die Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern spendete und damit – so das Auswärtige Amt – „einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der humanitären Lage in Togo und in den von Flüchtlingsströmen besonders betroffenen Ländern Benin und Ghana“ leistet.
Das Bundesinnenministerium unter Leitung von Herrn Schily ignoriert diese Situation dahingehend, dass groß angelegte Abschiebevorbereitungen von Togolesen durchgeführt werden.
In einem Artikel des Nordkuriers vom 31.05.2005 „269 asylsuchende Togolesen sind zur 'Vorführung' geladen" ist zu lesen: „Was nach der Ankunft eines Flüchtlings mit ihm passiert, kontrollieren die deutschen Behörden nicht. Für die Bürokratie ist das dann erledigt.“
Diese Aussage ist für uns, die wir in Deutschland Asyl suchen, ein Desaster. Wir sollen raus aus Deutschland in erneute Gefahr, aus der wir geflohen sind. Mit unserem Asylbegehren in Deutschland haben wir also unser Leben erneut in Gefahr gebracht, denn hier droht uns die Abschiebung in das Land, in dem wir durch die dort bestehende Diktatur um unsere grundlegenden Menschenrechte betrogen wurden. Aber die deutschen Behörden behandeln uns als Menschen, die nicht die Wahrheit sagen, die sofort wieder raus sollen aus Deutschland. Die wahre Situation in unserem Land wird nicht dargestellt sondern beschönigt. Nach Einschätzung der deutschen Behörden ist alles ruhig in Togo. Wir haben andere Informationen von unseren Landsleuten, Freunden und Familien, aber mit uns spricht keine Behörde, da unser Asylantrag durch das Bundesamt generell abgelehnt wird.
Einerseits bekamen die togolesischen Flüchtlinge in Ghana und Benin von Deutschland „humanitäre Hilfe“, andererseits werden die in Deutschland befindlichen Togolesen einfach abgeschoben. Für uns Togolesen gibt es bis auf wenige Ausnahmen kein Asyl in Deutschland.
Wir sind Menschen, wir wollen leben. Wir wollen nicht wieder in Gefängnisse. Wir wollen frei sein!
In der jetzigen Situation brauchen wir Asylsuchende die Unterstützung internationaler Organisationen, die uns helfen, wenn Deutschland uns abschiebt.
Wo sollen wir hin? In unser Land können wir nicht!
Das Bundesinnenministerium gewährt kein Asyl für uns afrikanische Menschen, da wir in ihren Augen kein Asyl beanspruchen dürfen.
Flüchtlinge aus Togo ---
Ein Offener Brief togoischer Flüchtlinge aus Vorpommern sowie solidarischen Greifswaldern
Die Situation in Togo
Die Verfolgung der Zivilbevölkerung und die Menschenrechtsverletzungen in Togo sind nach dem Tod des Generals Eyadema im Februar diesen Jahres, dem anschließenden Putsch durch seinen Sohn Faure Gnassingbé und besonders nach den "Wahlen" am 22. April 2005 extrem angestiegen. Die Diktatur der Regierungspartei RPT wird fortgesetzt. Nach Angaben der togoischen Menschenrechtsliga (LTDH) sind seit Mitte April über 800 Menschen ums Leben gekommen und seit Februar mehr als 4.500 Menschen verletzt worden. Verantwortlich sind die bewaffneten staatlichen Kräfte, Milizen oder paramilitärische Gruppen, die vom Militär mit Waffen und Munition ausgerüstet werden, sowie "Sympathisanten" der Regierungspartei RPT. In jeder Nacht sind Militär und Milizen unterwegs, um Menschen zu verhaften oder zu ermorden. Vor der eskalierenden Gewalt des Regimes sind mehr als 31.000 Togoer in die Nachbarländer Benin und Ghana geflohen. Aus Benin zurückkehrende Flüchtlinge sind ebenfalls angegriffen worden. Amnesty international beschreibt die Situation dramatisch und anhaltend. Die Berichte von Menschenrechtsorganisationen und Aussagen von Flüchtlingen drücken aus, dass niemand, der nicht zum RPT-Regime gehört, vor den nächtlichen Streifzügen der Milizen sicher sein kann. Dem entgegen wird in deutschen Regierungskreisen die Lage in Togo als ruhig bezeichnet.
Abschiebungsvorbereitungen von togoischen Flüchtlingen
In der Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZASt) in Horst/Mecklenburg?-Vorpommern fanden am 1. und 2. Juni Zwangsvorführungen von mehreren hundert Togoern aus mehreren Bundesländern statt. Eine Delegation der togoischen Botschaft als Vertreter des diktatorischen RPT-Regimes stellte vor Ort zusammen mit Vertretern der deutschen Behörden Reisepapiere zur Abschiebung nach Togo aus. Mecklenburg-Vorpommern plant somit erstmalig nach den manipulierten togoischen Präsidentschaftswahl Abschiebungen in großem Umfang. Das Bundesland mit den meisten in Deutschland lebenden togoischen Staatsangehörigen ( ca.1000, davon 260 mit Duldung ) stellt sich so auf die Seite des verbrecherischen Regimes in Togo. In jedem Fall sind die Betroffenen existenziell gefährdet. Andauernde Hausdurchsuchungen und Verhaftungen missliebiger Oppositioneller bis hin zu Folter und Mord reichen den Beamten im Innenressort nicht aus, um einen Abschiebestopp anzuordnen. Im Gegensatz hierzu werden die psychisch stark gefährdeten Personen togoischen Behörden namentlich ausgeliefert, obwohl gerade in Deutschland lebende Togoer von „ihrer“ Regierung als Mitverantwortliche für die Unruhen ausgemacht wurden.
Unsere Forderungen
· Aufgrund der geschilderten unzumutbaren Verhältnisse in Togo fordern wir einen sofortigen und generellen Abschiebestopp nach Togo.
· Darüber hinaus verlangen wir eine unbürokratische Aufnahme besonders gefährdeter Flüchtlinge, die aus Togo zunächst nach Benin und Ghana geflohen sind.
Unterzeichner
Togoische Flüchtlinge in Greifswald und Anklam Solidarische Greifswalder