10. Juli 2012
Würzburg, Aub, Bamberg, Düsseldorf, Regensburg, Osnabrück erinnern mich an das Kreuzworträtsel, das wir am 80. Tag des Kampfes an das Würzburger Protestzelt gemalt haben. Alle zwei bis drei Tage beteiligte sich ein weiterer Flüchtling am Camp, um dessen Foto wir dann unser Rätsel erweiterten.
Jetzt habe ich ein Rätsel vor Augen, dessen Felder alle zwei bis drei Tage durch neue Städtenamen ergänzt werden, in denen Flüchtlinge ihren Protest auf die Straße tragen.
Wie laut müssen wir denn schreien, um unser Recht zu erlangen?
In Würzburg war uns klar: wir haben die Kraft, alle Flüchtlinge auf die Straße zu holen. Heute höre ich von Städten, die sich dem Protest anschließen, von denen ich zuvor nie was gehört hatte. Das ist ein kollektiver und echter Kampf der Flüchtlinge. Wir müssen kämpfen für noch so selbstverständliche Menschenrechte, die man uns Flüchtlingen genommen hat.
Nach 114 Tagen auf den Straßen Würzburgs, hat der Protest eine neue Dimension erreicht - die Flüchtlinge merken, dass sie für ihre Rechte kämpfen müssen. Der deutsche Staat muss das wissen! Die Flüchtlingsbestimmungen hier sind unmenschlich! Abschiebungen, Residenzpflicht und Lagerunterbringung verstoßen eindeutig gegen Artikel 13, 14 und 15 der Menschenrechtskonvention. Dabei hat Deutschland diese Konvention unterzeichnet!
Ich glaube wir sollten ein Kreuzworträtsel zeichnen, in das die Länder eingetragen werden, in denen die Flüchtlinge auf die Straße gehen.
Ich sage hier: wir Flüchtlinge protestieren und streiken gegen die unmenschlichen Bedingungen. Wir haben die Kraft, alle Flüchtlinge auf die Straße zu holen! Ich weiß nicht, wie lange dieses System noch die Finger in die Ohren stecken will, um das, was wir seit 114 Tagen gemeinsam mit unseren deutschen Genossinnen und Genossen herausschreien, nicht zu hören.
Abschiebungen sind vom Staate initiierte Morde und müssen gestoppt werden!
- Residenzpflicht ist unmenschliche Käfighaltung und muss aufgehoben werden!
- Flüchtlingslager sind Gefängnisse und die unschuldig inhaftierten - Flüchtlinge wissen nicht einmal, wie lange sie dieses Leid ertragen müssen - sie müssen geschlossen werden!
Bis diese Forderungen erfüllt sind, werden wir kämpfen! Solidarität mit den Streikenden in Würzburg, Aub, Bamberg, Regensburg und Osnabrück!
Widerstand und Kampf,
Arash Dosthossein.
Im Folgenden Bilder der streikenden Flüchtlinge in Regensburg in Solidarität mit den Kämpfenden Flüchtlingen in anderen Städten: