Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
Pressemitteilung vom 19. Februar 2007
Internationale Prozessbeobachtung beim "Oury-Jalloh-Prozess" in Dessau - Initiative bittet um Spenden
Am 27. März wird der Prozess gegen zwei Polizeibeamte am Landgericht Dessau eröffnet. Sie sollen für den Tod des 21-jährigen Asylbewerbers Oury Jalloh verantwortlich sein, der im Januar 2005 an Händen und Füßen gefesselt in einer Polizeizelle verbrannte. Die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" organisiert eine internationale Beobachtung des Prozesses.
Die Initiative sieht in dem lange erwarteten Prozess einen wichtigen Schritt in Richtung Aufklärung. Dennoch bestehen nach wie vor Zweifel, ob es zu einer vollständigen Aufklärung der Todesumstände und einem gerechten Urteil kommen wird. Das wird allein schon an den Versuchen des Landgerichts deutlich, das Verfahren zu verschleppen oder einzustellen.
Auch die Staatsanwaltschaft ignorierte bizarre Widersprüche und legte sich frühzeitig auf die Version einer Selbstanzündung fest. Erst eine von der Nebenklage in Auftrag gegebene zweite Obduktion brachte schwere Verletzungen von Oury Jalloh zum Vorschein, die er vor seinem Feuertod erlitten hatte.
Der ungeklärte Tod Oury Jallohs in der Polizeizelle hat weit über den einzelnen Fall hinaus eine Bedeutung erlangt. Er steht für viele von Rassismus Betroffene als Symbol ihrer Ängste, wegen einer Nichtigkeit von der Polizei festgenommen zu werden und die Polizeiwache nicht mehr lebendig zu verlassen.
Die Mutter von Oury Jalloh wird in Begleitung eines Sohnes am Prozess als Nebenklägerin teilnehmen. Die Teilnahme wird für sie schmerzhaft sein, aber noch belastender ist für sie die anhaltende Ungewissheit, was mit ihrem Sohn wirklich geschehen ist. Sie hat ein Recht auf Wahrheit.
Ob das Gericht dem Folge leistet, daran sind Zweifel angebracht.
Als Mahnung zur Aufklärung wird eine internationale Delegation den Prozess in Dessau beobachten. Sie wird genau verfolgen, wie weit das Gericht eine wirkliche Aufklärung betreibt, und ihre Ergebnisse fortlaufend veröffentlichen. Unter den ProzessbeobachterInnen werden RechtsanwältInnen, MenschenrechtsaktivistInnen sowie Betroffene von Rassismus sein. Unter ihnen werden sein die Autorin Rosa Plumelle-Uribe
aus Frankreich, Suresh Grover aus London, der Politikwissenschaftler Wolf-Dieter Narr und der Rechtsanwalt Rolf Gössner. Geplant ist auch, dass ein Rechtsanwalt aus Südafrika nach Dessau kommt.
Die Kosten für Flüge, Hotelzimmer und Verpflegung werden hoch sein. Ein Teil der Kosten wird dankenswerterweise von verschiedenen Stiftungen getragen. Dennoch ist die Initiative auf großzügige Spenden angewiesen, sonst droht das gesamte Projekt der Prozessbeobachtung zu scheitern.
Spenden bitte an:
Antirassistische Initiative
Bank für Sozialwirtschaft
Konto-Nr.: 3039600
BLZ: 100 205 00
Stichwort: Dessau.
Überschüsse werden direkt der Mutter von Oury Jalloh zugute kommen. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Bitte die Postadresse an initiative-ouryjalloh@so36.net mitteilen.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter Tel. 030-246 43 647 zur Verfügung.
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Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
Aufklärung - Gerechtigkeit - Entschädigung
c/o Antirassistische Initiative e.V.
Colbestrasse 19
10247 Berlin
Tel. +49-30-7857281
mobil: +49-176-24133750
initiative-ouryjalloh@so36.net
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