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Dauerkundgebung von Flüchtlingen in Wien ab Samstag, den 24. November

“Wir fordern unsere Rechte!”
Die Proteste der Flüchtlinge gehen weiter!

Überall in Europa und auch in Österreich sind Flüchtlinge gezwungen unter bedrückenden, rassistischen, unmenschlichen und unerträglichen Konditionen zu leben. Aber es gibt Widerstand dagegen und er wird nicht aufhören, bis diese Umstände ein für alle mal abgeschafft worden sind!

24. November: 7 Uhr: Protestmarsch vom Flüchtlingslager in Traiskirchen nach Wien
Im Anschluss: Dauerkundgebung im Wiener Votivpark

Für den Protest werden noch viele Ressourcen benötigt. Für jede Art von Unterstützung, bitte kontaktiert:

06803205000 – refugeesolidarity(at)servus.at

Schlafsäcke, Isomatten/Matratzen, Decken, Kissen, Zelte

Große Zelte (Zirkus, Armee, Pfadfinder_innen, etc.) für Versammlungen, Küche, Infopunkt, Schlafen

Geld

Rechtshilfe

Warme Kleidung

Planen, jede Art von Witterungsschutz

Essen

SOLDARISIERT EUCH!

Am Samstag, den 24. November 2012, werden Flüchtlinge zu Fuß vom Flüchtlingslager Traiskirchen nach Wien marschieren. Es wird erwartet, dass mehrere hundert Flüchtlinge an der Demonstration teilnehmen werden. Auch von anderen Bundesländern werden Flüchtlinge erwartet.

Der Aufmarsch wird von Traiskirchen über Guntramsdorf - Mödling - Wr. Neudorf Wien erreichen. In diesen Orten wird es jeweils Zwischenstopps und Kundgebungen mit Redebeiträgen geben, wo die lokale Bevölkerung die Gründe der Aktion erfahren. Weiters besteht so die Möglichkeit, Informationen über die österreichische Asylpolitik im Allgemeinen und über die konkrete aktuelle Lage der Flüchtlinge zu erhalten. Der Aufmarsch wird von Ärzt_innen begleitet und es wird warmes Essen und Trinken in Pausen verteilt.

Die Demonstrant_innen werden zum Asylgerichtshof in der Laxenburger Straße marschieren, wo um ca. 17:00 eine Empfangskundgebung mit breiterer Beteiligung abgehalten wird. Die Demonstration wird weiter zur Innenstadt Richtung Parlament geführt. Im Votivpark wird die Demonstrationsroute enden. Um die Anliegen und Forderungen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, wird im Anschluss an die Demonstration als Zeichen ein Camp in der Innenstadt errichtet. Es ist geplant, dieses solange aufrecht zu erhalten, bis die Verantwortlichen den Forderungen der Flüchtlinge im Bezug auf der österreichischen Asylpolitik und speziell auf den schlechten Lagerbedingungen in Traiskirchen nachgehen. Die unten angeführten Forderungen wurden von den Flüchtlingen selbst formuliert und werden im Camp vor Ort weiter diskutiert und erweitert. Die Aktion wird von vielen migrantischen und nicht-migrantischen Communities und Organisationen aktiv unterstützt.

Für Fragen und Interviews zu aktuellen Flüchtlingsprotesten und zur Situation in Traiskirchen stehen wir unter unten stehendem Kontakt gerne zur Verfügung.

Forderungen der protestierenden Flüchtlinge

Wir sind Flüchtlinge, in Österreich angekommen um Asyl zu suchen und hier ein neues Leben aufzubauen. Unsere Länder sind zerstört, durch Krieg, Militärgewalt und Armut aufgrund kolonialistischer Politik. Wir kommen aus Pakistan, Afghanistan, Somalia, Nigeria, Gambia, Syria, Kurdistan, Iran und anderen Ländern und sind nun hier im Flüchtlingscamp Traiskirchen. Wir dachten, dass wir in diesem Camp Hilfe und Unterstützung von Österreich bekommen, aber was wir hier gesehen und erfahren haben, ist, dass der österreichische Staat bisher nicht gezeigt hat, dass wir willkommen sind. Wir verharren im Flüchtlingscamp unter sehr schlechten Bedingungen.

Wir, die Flüchtlinge aus Traiskirchen erheben nun unsere Stimmen und fordern unsere Rechte. Wir verlangen von den Verantwortlichen folgende Verbesserungen:

1) Die Dolmetscher*innen, die während der Asylverfahren im Einsatz sind, müssen alle durch neue ersetzt werden. Diese Dolmetscher_innen arbeiten hier seit sehr langer Zeit, machen Witze über Betroffene. Es bestehen gravierende Kommunikationsprobleme. Die Dolmetscher_innen übersetzen teilweise absichtlich falsch - dies hat negative Auswirkungen auf die Gerichtsverfahren sowie die Interviews mit Behörden/Beamten. Die Folge sind oftmals negative Bescheide sowie schnelle Abschiebungen. Es gibt mehrere Fälle, in welchen in diesem Zusammenhang bereits innerhalb 2 Wochen der zweite negative Bescheid ausgehändigt wurde.

2) Nachdem Erhalt eines zweiten negativen Bescheides verlangt das Gericht von uns Gerichts- und Rechtsanwaltsgebühren in der Höhe von 220 Euro zu zahlen. Im Falle einer Nicht-Erbringung kam es in mehreren Fällen zu Haftstrafen. Das ist inakzeptabel weil wir keine Kriminellen sind, uns ist es als Asylsuchende lediglich nicht erlaubt zu arbeiten. Wir fordern, diese Gebühren nicht mehr zahlen zu müssen.

3) Alle Abschiebungen müssen gestoppt werden. Es muss den Menschen möglich sein, hier zu bleiben oder in ein weiteres Land zu gehen.

4) Wir fordern mehr Dolmetscher_innen für Arztbesuche, insbesondere Übersetzer_innen der Urdu Sprache.

5) Wir fordern generell mehr Ärzte und Ärztinnen für Flüchtlinge.

6) Es gibt viele Überstellungen in abgeschiedene, ländliche Gegenden. Das muss gestoppt werden da vor Ort benötigte Infrastruktur nicht gewährleistet wird. Die Menschen haben keinen Zugang zu Rechtsanwält_innen oder Möglichkeiten zum Einkaufen. Das bedeutet für Flüchtlinge faktisch Isolation, da sie derzeit nicht zu benötigter Hilfe kommen.

7) Im Camp selbst müssen Deutschkurse und Berufsvorbereitungskurse mit Praxis-Schwerpunkt z.B. im handwerklichen Bereich eingeführt und abgehalten werden. Auch für die Deutschschule brauchen wir Übersetzer_innen.

8) Kinder von Familien, die im Camp leben, müssen in reguläre lokale Schulen mit ortsansässigen Kindern gehen können.

9) Das Essen muss gesünder und nahrhafter sein. Die Flüchtlinge müssen die Möglichkeit haben, sowohl selbst zu kochen als auch das Essen in ihre Zimmer mitzunehmen.

10) Saubere und gute Kleidung und Schuhe für alle Jahreszeiten muss zur Verfügung stehen.

11) Die Arbeitsbedingungen im Camp müssen verbessert werden und der Betrag, der für Reinigen und Kochen bezahlt wird ist nicht ausreichen.

12) Tickets für den Öffentlichen Verkehr müssen unentgeltlich angeboten werden, zumindest für 3 Tage, so das jede und jeder die Möglichkeit hat, das Land, die Menschen, deren Leben kennen zu lernen. So ist es auch möglich, zu Rechtsinformationen zu kommen und sich um den eigenen Fall rechtlich zu kümmern.

13) Wir benötigen einen Friseur für Männer und Frauen.

14) Das Taschengeld in der Höhe von 40 Euro monatlich ist absolut nicht ausreichend und muss erhöht werden.

15) Wir benötigen dringend diverse Sanitärartikel. Artikel wie Nagelscheren, Spiegel,.. - es sind nicht einmal Spiegel in den Badezimmern vorhanden(!).

16) Im Flüchtlingscamp sind wir vom Rest der Welt isoliert, weil wir keinen Internetzugang und kein Fernsehen haben. Wir benötigen beides, um Kontakt mit unseren Familien und Freund_innen zu haben. Obwohl wir im 21sten Jahrhundert leben haben wir keinen Zugang zu modernen Medien sowie modernen Formen der Kommunikation. Wir fordern freien Internetzugang in den Camps und TV mit Sat-Empfang um Informationen von der Welt zu erhalten.

Wir fordern diese grundlegenden Rechte von der österreichischen Regierung, der Europäischen Union, für Flüchtlinge weltweit. Wir ersuchen die österreichische Regierung, ihrer Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen nachzukommen.

Wir werden unsere Aktionen solange fortsetzen, bis unsere Stimmen gehört, und unsere Forderungen erfüllt sind.

Bewegungsfreiheit für alle Flüchtlinge!
We will rise!

Traiskirchen, 21. November 2012

Kontakt: Pressestelle Refugee Protest
E-Mail: press.refugee.protest (at) riseup.net
Tel.: 0680 441 71 74

Behördlicher Schikane: Behörden versuchen Flüchtlingsprotest zu unterbinden:

http://no-racism.net/article/4279/
Wie von BewohnerInnen des Lagers berichtet wurde, wurde heute im Lager ein Aushang ausgehängt, der die Flüchtlinge anweist, sich morgen um 8 Uhr 30 zur Anwesenheitskontrolle auf ihren Zimmern einzufinden; die Kontrollmaßnahme soll bis 14 Uhr dauern. Die Flüchtlinge sind laut Hausordnung des Lagers zum täglichen Erscheinen gezwungen. Nach bisheriger Erfahrung ist es jedoch völlig ungewöhnlich, dass die Kontrolle der Anwesenheit in Traiskirchen an einem Samstag durchgeführt wird. Allen, die bei einer solchen Kontrollmaßnahme nicht erscheinen, droht der Ausschluss aus der Grundversorgung, der Ausschluss aus dem Lager Traiskirchen und somit Obdachlosigkeit und im schlimmsten Fall Illegalisierung.

Dazu Roman Dietinger, Unterstützer des Flüchtlingsprotestmarsches: "Dass den Flüchtlingen genau zur gleichen Zeit, zu der der Protestmarsch beginnen soll, eine lagerinterne Kontrollmaßnahme zugemutet wird, ist kein Zufall, sondern ein gezielter Versuch, die Flüchtlinge durch Einschüchterung und Repression daran zu hindern, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Das Recht auf ein menschenwürdiges Leben, das die Flüchtlinge einfordern wollen, wird durch eine solche Praxis auf skandalöse Art und Weise mit Füßen getreten."

Während dessen laufen die Vorbereitungen für den Protestmarsch und die anschließende Dauerkundgebung in Wien weiter auf Hochtouren: "Wir alle werden morgen gemeinsam von Traiskirchen nach Wien gehen. Die Lagerverwaltung und die Polizei werden uns davon nicht abhalten. Notfalls warten wir mit dem Abmarsch vor dem Lager, bis alle herauskommen können. Wir rufen dazu auf, gerade jetzt umso mehr Solidarität mit den Flüchtlingen zu zeigen und morgen früh ab 7 Uhr zahlreich nach Traiskirchen zum Protestmarsch zu kommen," so Dietinger.

Presseaussendung vom Presseteam des Refugee Camp Vienna am 23. November 2012.

Language: 

Der Kampf von Flüchtlingen braucht Geld!

Die Karawane ist maßgeblich auf Spenden angewiesen. Unsere Organisation besteht überwiegend aus Flüchtlingen, die (wenn überhaupt) nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen. Aus diesem Grunde haben wir 2008 den „Förderverein Karawane e. V.” gegründet. Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann deswegen auf Wunsch Spendenquittungen ausstellen, so dass sie steuerlich absetzbar sind. Wenn bei der Überweisung die Adresse mit angegeben wird, verschicken wir die Spendenbescheinigung automatisch spätestens am Anfang des Folgejahres.

Kontakt: foerderverein(at)thecaravan.org

Unsere Bankverbindung lautet:
Förderverein Karawane e.V.
Kontonummer
: 40 30 780 800
GLS Gemeinschaftsbank eG
BLZ: 430 609 67

IBAN: DE28430609674030780800
BIC: GENODEM1GLS

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