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Prozess in Schwerin im Asylverfahren von Imam-Jonas Dögüs

By azadi, 8 August, 2010

11 Jahre Deutschland – 11 Jahre Rostock - 11 Jahre Kampf um Asylrecht!

Imam-Jonas Dögüs

Viele RostockerInnen kennen Imam-Jonas Dögüs seit vielen Jahren – als KTV-Bewohner, Dolmetscher, gesellschaftlich und politisch engagierten Menschen in Initiativen und Netzwerken, als Übersetzer, Unterstützer von MigrantInnen und Flüchtlingen, Diskussionspartner, Hundebesitzer, Weinliebhaber, als Bekannten und Freund …
Dass er seit 11 Jahren als politischer Flüchtling in Deutschland lebt und um die Anerkennung seines Asylantrages kämpft, wissen nur wenige …
Nach einer ersten Ablehnung seines Asylgesuches im Jahr 2007 hat Imam-Jonas Widerspruch eingelegt – drei Jahre danach findet nun der Prozess vor dem Verwaltungsgericht in Schwerin statt, bei dem über seinen Antrag entschieden wird.

Kommt als UnterstützerInnen mit zum Gerichtstermin! Wir wollen Imam-Jonas an diesem Tag nicht alleine lassen, sondern uns solidarisieren und unseren Protest ausdrücken – „Gegen die Verschleppung von Asylverfahren“!

* Ort: Verwaltungsgericht Schwerin, 2. OG, Saal V, Wismarsche Straße 323a, 19055 Schwerin
* Zeit: 23.08.2010, 12:30 Uhr (Prozessbeginn ist um 13.15 Uhr)

Nach der Verhandlung ist eine Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude geplant.
„Ein Viertel meines Leben habe ich hier verbracht“

Im September 1999 ließ das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Imam-Jonas Dögüs’ Asylantrag mit der Begründung nicht zu, dass er über einen sicheren Drittstaat – Griechenland – aus der Türkei nach Deutschland gekommen sei. Die Ausländerbehörde Detmold wollte ihn nach dieser Entscheidung sofort abschieben, ohne ihm die Chance zu gewähren in Widerspruch zu gehen. Nun musste er wieder untertauchen – diesmal in Deutschland. Im Februar 2000 erhielt er Schutz in der Rostocker Innenstadtgemeinde, die ihm Kirchenasyl gewährte. Erst im Juni 2003 hat ihm die Ausländerbehörde Rostock unter Berücksichtigung seines gesundheitlichen Zustands eine Duldung erteilt. Seitdem ist er ein geduldeter Flüchtling, dem eigentlich aufgrund seiner politischen Verfolgung in der Türkei das Recht auf Asyl zusteht.
Dennoch versuchten die deutschen Behörden weiterhin, Imam-Jonas nach Griechenland zurück zu schieben. Im Sommer 2005 haben die griechischen Behörden auf Nachfrage des Bundesamtes geantwortet, dass sie an seiner Aufnahme kein Interesse mehr haben. Nach dem Dubliner Abkommen II wurde damit Deutschland für sein Asylverfahren zuständig (mehr Informationen unter: http://www.proasyl.de/de/ueber-uns/stiftung/projekte/griechenland-proje…).
Im September 2005 fand zum dritten Mal ein Folgeinterview zu seinem Asylverfahren im Bundesamt, Außenstelle Horst, statt. Eine Entscheidung wurde wiederum erst nach 2 weiteren Jahren und einem Hungerstreik von Imam-Jonas getroffen: Das BAMF lehnte den Asylantrag auf zynische Weise mit unhaltbaren Begründungen ab, um sich seines Protestes schnell zu entledigen. Demnach sei Imam-Jonas seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen, da er keine Detailinformationen über eine politische Organisation in der Türkei mitgeteilt hat, in der er aktiv war. Zusätzlich habe er den Behörden die Akteneinsicht in psychologische Protokolle verwehrt, die im Rahmen einer selbst gewählten Therapie in Rostock entstanden.
Nach der Ablehnung hatte sein Rechtsanwalt Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt – jetzt steht der Gerichtstermin fest, auf den Imam-Jonas wiederum 3 Jahre warten musste. Trotzdem geht es ihm nicht nur um sich selbst. Er kritisiert generell die Praxis deutscher Behörden mit Asylsuchenden umzugehen:
„Mein Beispiel ist keine Ausnahme. In vielen Fällen werden Entscheidungen über einen Asylantrag in weniger als einem Jahr getroffen. Dabei geht es vor allem um die Menschen, deren Gründe das BAMF als nicht „glaubhaft“ einstuft, eine Anerkennung verweigert und abschiebt. Andere Flüchtlinge, die, wie auch ich, als politisch Verfolgte oder Folteropfer nach Deutschland kommen, sind der Verzögerungstaktik und Repression des BAMF ausgesetzt. Ihre Fluchtgründe werden spitzfinderisch hinterfragt und angefochten. Ziel ist es sie ‚loszuwerden’ bzw. letztlich sie schon in ihren Herkunftsländern von einer Flucht nach Deutschland abzuhalten.“

„Ich habe meine Meinung unter allen Umständen geäußert – in diesem Sinne war ich frei!“

Trotz dieser schwierigen Situation hat Imam-Jonas Dögüs sein politisches und gesellschaftliches Engagement fortgesetzt: U.a. ist er seit 2003 aktives Mitglied der Antirassistischen Initiative Rostock, die für ihn „ein Stück Heimat geworden ist“. Er war im Vorstand des Flüchtlingsrates MV tätig und wurde vor kurzem in den Migrantenrat der Hansestadt Rostock (MIGRO) gewählt. Imam-Jonas ist Mitglied in weiteren landes- und bundesweiten Antidiskriminierungs- und antirassistischen Netzwerken und engagiert sich vehement gegen Rechtsextremismus und Nationalismus.

Der Kampf von Flüchtlingen braucht Geld!

Die Karawane ist maßgeblich auf Spenden angewiesen. Unsere Organisation besteht überwiegend aus Flüchtlingen, die (wenn überhaupt) nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen. Aus diesem Grunde haben wir 2008 den „Förderverein Karawane e. V.” gegründet. Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann deswegen auf Wunsch Spendenquittungen ausstellen, so dass sie steuerlich absetzbar sind. Wenn bei der Überweisung die Adresse mit angegeben wird, verschicken wir die Spendenbescheinigung automatisch spätestens am Anfang des Folgejahres.

Kontakt: foerderverein(at)thecaravan.org

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Sammlung aller texte zum 10 jährigen Jubiläum der Karawane all texts of the 10-years anniversairy of the CARAVAN for the rights of refugees and migrants