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Rede in Forchheim

Liebe FreundInnen und Freunde, Forchheimerinnen und Forchheimer.
Wir sind die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen. Die Karawane versucht, Flüchtlingen und MigrantInnen, die hier fast aller Rechte beraubt sind, eine Stimme zu geben.
Zum 3. Mal gibt es nun nach 1998 und 2002 eine Karawanetour.

Dieses mal macht sie Halt an 16 Stationen. Forchheim ist nach Neuburg an der Donau die 2. Station. Wir gehen zu Plätzen migrantischer Kämpfe um Würde, eine Lebensperspektive, Selbstbestimmung, wie sie für die meisten von uns selbstverständlich ist.

In Neuburg war es das größte Lager Bayerns, wo 400 Menschen zusammengepfercht sind, in Forchheim haben wir erlebt, wie Flüchtlinge, völlig an die Wand gedrängt von der Praxis des hiesigen Landratsamts bei der Umsetzung der letzten November in NBG beschlossenen Bleiberechtsregelung, zusammen mit der Nürnberger Karawanegruppe begannen, für ihren grundlegenden Menschenrechte zu kämpfen.

Kämpfen heißt, sie machten ihre Situation öffentlich und konfrontierten das Landratsamt mit der realen Praxis anderer Behörden in NBG und München, die, obwohl ihnen jetzt niemand besondere Menschenfreundlichkeit unterstellen will, relativ vielen langjährig geduldeten Flüchtlingen eine Chance auf Bleiberecht einräumten.

Mit Erfolg insofern, als sich nun doch auch in Forchheim etwas zu bewegen scheint. Freilich nur für einen Teil der Flüchtlinge. Unsere Freunde aus Bhutan sind immer noch mit der Tatsache konfrontiert, dass ihnen das Landratsamt nicht abnimmt, dass sie wirklich aus Bhutan sind, und ihnen deshalb das Bleiberecht verweigert. Sie haben ihnen in Aussicht gestellt, ein Bleiberecht zu bekommen, wenn sie ihre angeblich falschen Angaben zu ihrer Herkunft korrigieren und sich Pässe ihres angeblich richtigen Heimatlandes besorgen würden.

Warum das? Weil Bhutan ausgereisten, sprich geflohenen Angehörigen der nepalesischen Minderheit die Staatsbürgerschaft entzieht, ihnen keinen Pässe ausstellt und sie deshalb nicht abgeschoben werden können.

Das darf nun aus der Sicht der hiesigen Behörden nicht sein und so lassen sie diese Menschen auf der Basis dieser Unterstellung weiter schmoren.10, 12, 14 Jahre. Einfach unmenschlich.
Nachher werden sie Gelegenheit bekommen, von Betroffenen selbst eine Darstellung ihrer verfahrenen Lage zu bekommen.

Wenn sie die Karawanezeitung studieren, werden sie über das Motto stolpern: Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört. Wie kommen wir dazu, das zu sagen?
Anlass und Schlusspunkt der Tour ist das G8 Treffen in Rostock-Heiligendamm.
Was hat die G8 mit der Lage der Flüchtlinge hier zu tun?
Viele unserer Freunde sind aus Zuständen geflohen von Perspektivlosigkeit, Zerstörung, Verfolgung, Krieg. Kriege, die mit Waffen geführt werden, die hier produziert wurden.
Verfolgung von Machthabern, die sich mit diesen Waffen und Europäischen Krediten an der Macht halten, für deren Bezahlung sie ihre Länder ausplündern. Statthalter der ehemaligen Kolonialmächte sind sie eben, es ist die Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln.
Der Kapital- und Ressourcenabfluss durch Zinszahlungen an den reichen Norden übersteigt die Entwicklungshilfe um ein mehrfaches.

Trotzdem weltweit und sogar in Afrika eine Nahrungsmittelüberproduktion besteht, verhungert alle 5 Sekunden ein Kind, hunderttausend Menschen täglich.

Die EU, besonders auch Deutschland kann es sich leisten ihre landwirtschaftlichen Produkte zu subventionieren. So hoch dass sie z.B. auf dem afrikanischen Markt billiger verkauft werden können, als die im Land produzierten Waren. Deren Märkte werden also von unseren Billigprodukten überschwemmt, während die ansässigen Bauern auf ihren Waren sitzen bleiben.
Sie gehen Pleite, brauchen Kredite mit denen Auflagen einhergehen. Auflagen z.B. dass sie Hybridsaatgut kaufen sollen, woraus kein neues Saatgut nachgezogen werden kann, was von Chemiekonzernen hier produziert wird. Kann kein neues Saatgut daraus gezogen werden, muss man jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Das ist teuer und zwingt zu Massenproduktion mit riesigen Monokulturen, die die Böden zerstören.

Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt ist muss das vierfache an Krediten zahlen, was es an Entwicklungshilfe bekommt. Durch Baumwollmonokulturen ist der Boden so ruiniert, dass die Wüste sich immer weiter ausbreitet. Immer mehr Menschen wissen nicht mehr, von was sie leben sollen. Und so beschliessen sie, dass einer aus der Familie, aus der Sippe zum Arbeiten in den reichen Norden gehen soll, um durch Rücküberweisungen das Überleben zu sichern. Eine ehrenvolle Aufgabe, wie ich meine…

Er nimmt nur eine beschwerliche, lebensgefährliche Reise auf sich, denn um die Grenzen Europas zu überwinden muss er Grenzanlagen, Schiessbefehle oder tausende von Kilometern auf klapprigen Booten übers Meer fahren. Allein letztes Jahr sind dabei ca. 6000 Menschen ums Leben gekommen. Das hat die Qualität eines Krieges. Und die EU rüstet auf. Frontex heisst die neue Grenzschutzagentur, die mit schnellen Eingreiftruppen, Satellitenüberwachungen, Verhören von Flüchtlingen in Lagern, versucht Fluchtwege ausfindig zu machen und die Grenzen noch höher zu machen. Schafft es nun der Mensch aus Burkina Faso trotzdem, nach Europa zu kommen, wird er von Schreibtischtätern wie Beckstein als jemand bezeichnet, der uns ausnutzen will, in Lager eingesperrt, mit Residenzpflicht belegt und Essenspaketen abgespeist. Arbeiten darf er nicht.
Das sind die Schicksale der Menschen, mit denen sie hier konfrontiert sind. Die diskriminierend mal Asylbetrüger, mal Identitätsverschleierer genannt werden. Es ist Ausschluss im Innern.

Es ist ein System globaler Apartheid. Verantwortet von den G8 Staaten.

Ist also “Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört“ übertrieben?
Freuen Sie sich nicht über die billigen Schweineschnitzel, denen Soja aus genmanipulierten Hybridkulturen, angebaut im brasilianischen Regenwald, verfüttert wird? Der dafür zerstört wird? Freuen Sie sich nicht über die billigen Bananen, den Kaffee, die billigen Klamotten. 20% der Weltbevölkerung, nämlich die G8 Staaten verbrauchen 80 % der Energie.
Wir profitieren alle mit davon.

Kapitalismus tötet. Fast überall. Wir wollen eine andere Welt, eine andere Globalisierung. Wo Menschen da leben können, wo sie wollen, wo niemand fliehen muss.
Wir müssen umdenken. Wer Elend sät, wird Wut ernten. Das System der globalen Apartheid schafft Wut, Hass. Es ist perspektivlos, weil es in einen globalen Krieg führt. Umkehren müssen wir alle. Ansetzen müssen wir da, wo wir sind. In Forchheim. Fangen sie jetzt damit an, wenn sie den Freunden aus Bhutan zuhören.

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Der Kampf von Flüchtlingen braucht Geld!

Die Karawane ist maßgeblich auf Spenden angewiesen. Unsere Organisation besteht überwiegend aus Flüchtlingen, die (wenn überhaupt) nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen. Aus diesem Grunde haben wir 2008 den „Förderverein Karawane e. V.” gegründet. Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann deswegen auf Wunsch Spendenquittungen ausstellen, so dass sie steuerlich absetzbar sind. Wenn bei der Überweisung die Adresse mit angegeben wird, verschicken wir die Spendenbescheinigung automatisch spätestens am Anfang des Folgejahres.

Kontakt: foerderverein(at)thecaravan.org

Unsere Bankverbindung lautet:
Förderverein Karawane e.V.
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